Trauerbewältigung





Die Trauer ist eine sehr anspruchsvolle Dame
Jeder Mensch erfährt im Laufe seines Lebens verschiedene Arten des Verlustes. Trauer ist die normale Reaktion auf einen solchen Verlust. Jeder Mensch ist anders und daher trauert auch jeder individuell. Zahlreiche Definitionen versuchen Trauer greifbar oder erklärbar zu machen.

Trauer ist das Geschenk der Evolution, um mit dem täglichen Werden und Vergehen umzugehen. In jeder Sekunde des Lebens gibt es Veränderungen. Wir müssen lernen, damit umzugehen, und dazu sind wir mit einer Fähigkeit ausgestattet: Der Fähigkeit zu trauern. Trauer ist die Mutter aller Gefühle. Wenn ich mich bei Veränderungen z.B. wütend, verzweifelt, klagend oder traurig zeige, findet das Grundgefühl Trauer Ausdruck. Für viele ist dies ein emotional unbekanntes Gebiet, Trauer zu fühlen und auszudrücken. So werden wir zu „Gefühls-Vermeidungs-Helden.“ (Dr. Jorgos Canacakis)

Definitionen von Trauer

"Trauer ist keine Krankheit, keine Katastrophe, keine Fehlfunktion und kein Zeichen von psychischer oder charakterlicher Schwäche, sondern ein normaler, gesunder und psychohygienisch notwendiger Prozess der Verarbeitung von einschneidenden Verlusten und Veränderungen" (Lammer, Kerstin, 2004)

Trauer zeichnet sich durch folgende Merkmale aus: tiefe schmerzliche Verstimmung, Abzug des Interesses von der Außenwelt, Verlust der Liebesfähigkeit und Einschränkung des Leistungsvermögens.“ (Freud, Sigmund, 1917)

Trauer bezeichnet je nach Zusammenhang eine Emotion oder einen komplexen, länger andauernden Bewältigungsprozess.“ (Verena Kast).

 

Trauerforschung
Seit Anfang der 1950er-Jahre gibt es die moderne Trauerforschung. Die Schweizer Psychologin Elisabeth Kübler-Ross hat dabei wesentliche Pionierarbeit geleistet. Eine Erkenntnis der Trauerforschung ist der Versuch den Trauerprozess in Phasen zu unterteilen, um ihn im Detail besser beschreiben zu können und um die einzelnen Vorgänge erklärbar zu machen. Die Phasen der Trauer können spiralförmig wiederkehren, was bei Betroffenen oftmals zu Entmutigung führen kann.

Nach Dr. Verena Kast muss man die vier Phasen der Trauer durchleben, ehe man wieder ein geordnetes Leben führen kann.

Phase 1: Nicht wahrhaben wollen
Nach dem Verlust eines geliebten Menschen reagieren die meisten von uns mit Schock und Verneinung. Wir können es einfach nicht fassen und deshalb „kann nicht sein, was nicht sein darf". Diese Phase kann kurz sein, aber auch Wochen, ja, sogar Monate dauern. Typische Reaktionen können Betäubung und Erstarrung, Unglauben und Leugnen des Todes, Schockgefühl und Unfähigkeit zu weinen sein.
Der Trauernde ringt verzweifelt darum, das Geschehene, das Unbegreifliche zu erfassen. Er ist wie benommen, wie von einer Wolke oder einem Nebel umhüllt, weit ab von der Realität. Es ist ihm unmöglich, klar zu denken. Die ganze Wirklichkeit auf einmal zu erfassen, kann ein Trauernder oft nicht verkraften. Deshalb schützt ihn die Natur mit einer natürlichen Form von „Betäubung".

Phase 2: Aufbrechende Emotionen
Die zweite Phase beginnt meist vier bis zwölf Wochen nach dem Tod des geliebten Menschen. Wenn sie nicht mit Medikamenten, Alkohol oder einem innerlichen Verhärten verhindert wird, ist sie die Phase der aufbrechenden Gefühle: Angst, Wut, Schmerz, Traurigkeit, Ruhelosigkeit, Verzweiflung und Schuldgefühle wechseln sich ab. Gefühle, die wir oft nicht auszudrücken gelernt haben, bilden jetzt gleichsam einen chaotischen Reigen. Während der Trauernde im Schock kaum etwas fühlt, beginnt in dieser Phase ein gewaltiger Schmerz. Er kann emotional und körperlich sehr stark sein.

Phase 3: Suchen und sich trennen
Die Phasen der Trauer gehen ineinander über, und jeder Mensch trauert anders. Wenn das chaotische Wechselbad der unterschiedlichen Gefühle langsamer wird und verebbt, kann die Trauer in die dritte Phase übergegangen sein. „Suchen und Sich-Trennen" nennt die Trauerpsychologie diese Zeit, in der Trauernde zum Beispiel an Örtlichkeiten gehen, an denen sich der Verstorbene oft aufgehalten hat. Oder in anderen Menschen Ähnlichkeiten mit dem Verstorbenen suchen. Oder seine Lieder hören, sein Lieblingsessen bestellen. Dieses Suchen endet jedes Mal mit der Erkenntnis, dass der Verstorbene tot ist. Über dieses Suchen und nicht Finden, das sich erneute Trennen, wird langsam der Verlust ins Leben integriert.

Phase 4: Neuer Selbst- und Weltbezug
In der Phase des neuen Selbst- und Weltbezugs kommt der Trauernde schon besser mit dem Verlust zurecht. Er hat angefangen, ihn zu akzeptieren, kann sich vom Verstorbenen immer mehr lösen und sein Leben neu ordnen. Er findet zunehmend ein neues inneres Gleichgewicht.

Trauer lässt sich mit Wellen vergleichen. Zuerst kommen die Trauerschübe wie im Sturm als Wellenberge - sehr hoch und oft hintereinander. Mit der Zeit werden die Abstände der Wellenberge kleiner und sie verlieren an Höhe. Nicht „die Zeit" hat geheilt, sondern der Trauernde hat die Zeit genutzt und so ein wieder heil werden ermöglicht.

Normale Trauerreaktionen
Die Reaktionen eines Menschen unmittelbar nach der Todesnachricht können auf unterschiedlichste Art und Weise zum Ausdruck kommen. Individuell abhängig von Persönlichkeit, Bindung zur/zum Verstorbenen und der eigenen Belastbarkeit gelingt es jedem Menschen individuell mit dem Verlust umzugehen. Freud meinte dazu „Trauer stellt keinen passiven Prozess dar, sondern fordert vielmehr aktives psychisches Handeln des Individuums.“ (Freud, Sigmund, 1917)

Reaktionen können auf unterschiedlichen Ebenen zum Vorschein kommen:

  • Auf körperlicher Ebene:
    durch Leeregefühl im Magen, Brustbeklemmung, Gefühl des Zugeschnürtseins der Kehle, Überempfindlichkeit gegen Lärm, Gefühl der Fremdheit der eigenen Person bzw. der Umgebung gegenüber, Kurzatmigkeit, Muskelschwäche, Antriebsmangel und Mundtrockenheit.
  • Auf Gefühlsebene:
    Traurigkeit (oft mit weinen verbunden), Zorn und Aggression, Schuldgefühle und Selbstanklagen, Angst, Gefühl der Einsamkeit und Verlassenheit, Müdigkeit und Apathie, Sehnsucht, Betäubung und Abgestumpftheit.
  • Im Verhalten:
    Schlafstörungen, Appetitstörungen, Geistesabwesenheit, Sozialer Rückzug, Träume vom Verstorbenen, Meiden von Erinnerungen an den Verstorbenen, Suchen und Rufen, Rastlose Überaktivität, Zwangshandlungen.

Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Todesfälle, doch sollten folgende Punkte dabei berücksichtigt werden:

  • Wer in „guten" Zeiten die Themen Sterben, Tod und Trauer enttabuisiert, tut sich im akuten Trauerfall leichter.
  • Funktionieren ist in der ersten Phase wichtiger Selbstschutz, doch später sollte man die Trauer zulassen und sie nicht verdrängen.
  • Offene Gespräche helfen - scheuen Sie sich nicht, über Ihre Gefühle zu reden.
  • Nehmen Sie professionelle Hilfe an, wenn sich die Trauer von Tag zu Tag verschlimmert und Sie kein Licht mehr am Ende des Tunnels erkennen.
  • Lassen Sie die Trauer zu und geben Sie ihr Zeit - die Trauer dauert eine Weile.
  • Suchen Sie das Gespräch mit Menschen, die auch trauern oder schon getrauert haben, und lassen Sie sich ihre Erfahrungen erzählen.
  • Hören Sie sich die CDs der TrauerWeile an oder besorgen Sie sich Bücher über die Trauer.
  • Machen Sie Bewegung an der frischen Luft. Auch Yoga, Tai Chi, Qi Gong, Pilates usw. stärken Ihr Wohlbefinden.
  • Atmen Sie bewusst und achten Sie auf Ihre Haltung. Lassen Sie sich von der Trauer nicht erdrücken.
  • Vermeiden Sie Alkohol, Zigaretten, Drogen, die ihnen nur kurzfristig eine scheinbare Erleichterung verschaffen.
  • Seien Sie egoistisch und kümmern Sie sich um Ihr persönliches Wohlergehen.
  • Nutzen Sie den Augenblick, denn er ist zeitlos.

Wegweiser für Trauernde

Eine sonderbare Stille - Wa...

Cover von Eine sonderbare Stille von Katharina Schmidt erschienen im Brandstätter Verlag_©Katharina Schmidt

Das Debattenbuch: Der Tod muss zurück in die Mitte der Gesellschaft. Auseinandersetzung mit dem letzten Tabu unserer Zeit. Akzeptanz der Endlichkeit: ein neuer Blick auf das eigene Leben. Katharina Schmidt darüber, warum der Tod ins Leben gehört.

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Bis wir uns im Himmel wiede...

Bis wir uns im Himmel wiedersehen_Coverbild_©Anselm Grün

Der Abschied von einem geliebten Menschen scheint auch für Trauernde das Ende des eigenen Lebens zu sein. Durch Anteil nehmenden und tröstenden Worte finden Trauernde in diesem Buch eine Hilfestellung, um ihren Verlust zu verarbeiten und zum Leben zurückzukehren.

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Trauernden Kindern Halt geben

Trauernden Kindern Halt geben_©Monika Specht-Tomann

Psychologin Monika Specht-Tomann will Eltern dabei helfen ein sensibler Trauerbegleiter zu sein. Der empathische Ansatz ihres Buches eröffnet neue Blickwinkel und ermöglicht Erwachsenen wie Kindern, wieder Halt und Orientierung zu finden.

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Max und Urli vom Ehrlingerhof

Max und Urli vom Ehrlingerhof_Trauerbewältigung_Literatur_©Caritas Socialis

Max und Urli vom Ehrlingerhof: Kinderbuch und Hörbuch-App, gesprochen von Burgschauspieler Peter Matić, erklären Kindern altersgerecht die Themen Sterben, Trauer und Tod.

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TrauerWeile
Die Bestattung Wien bietet in Kooperation mit der Trauerweile regelmäßig kostenlose Trauerinformationsabende an. Bei diesen Informationsabenden können Sie Wesentliches über die Trauer und über den Umgang mit den Trauerphasen erfahren.
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Kontaktstelle Trauer, Caritas Erzdiözese Wien
Die Kontaktstelle Trauer bietet Trauerbegleitung in Form von Einzelgesprächen oder verschiedenen Gesprächsgruppen für trauernde Angehörige. Ein vielfältiges Angebot, wie z. B. Wandertage, Spaziergänge und meditative Tänze unterstützt trauernde Menschen dabei ihren ganz persönlichen Trauerweg zu finden. In der Kontaktstelle erhalten Sie Behelfe, Materialien, sowie Informationen zur Ausbildung von Trauerbegleitung.
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TrauerZeit
Für Trauer ist in unserer Gesellschaft oftmals wenig Platz. TrauerZeit ist eine Gesprächs- und Meditationsgruppe für Trauernde. Sie ist offen für Menschen aller spirituellen Traditionen. Diese Gruppe möchte Zeit und Raum bieten, um der Trauer Ausdruck zu geben, Wege zum Abschied zu finden, der Einsamkeit zu begegnen, einander Trost zu sein, loszulassen und zu vertrauen. Auch Einzelgespräche sind auf Anfrage möglich.
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Akutbetreuung Wien
Rathausstraße 1 | 1010 Wien, Tel.: +43 (0)1 4000-75230
E-Mail schreiben

Selbsthilfegruppe der HPE
(für Hinterbliebene von Suizidopfern)
Bernardgasse 36 | 4 | 14 | 1070 Wien, Telefon: +43 (0)1 526 42 02
office@hpe.at |
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Selbsthilfegruppe Regenbogen
(für Eltern nach Abortus, Abtreibung, Fehlgeburt, Totgeburt oder Tod Kurz nach der Geburt ihres Kindes)
Zollergasse 37 | 1070 Wien, Mobil: 0676 642 86 92
info@shg-regenbogen.at
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Selbsthilfegruppe FEM
(für verwitwete Mütter und Väter 30-50 Jahre)
Bastiengasse 36–38 | 1180 Wien (FEM - Semmelweis-Frauenklinik), Mobil: 0699 19 11 91 82
verwitwetinat@gmx.at
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