Abschied von Freda Meissner-Blau

Die Mitgründerin der Grünen starb im Alter von 88 Jahren am 22. Dezember 2015 im Kreise ihrer Familie.

Freda Meissner-Blau galt als Galionsfigur der Ökologiebewegung in Österreich. Sie verhalf den Grünen 1986 zu ihrem ersten Einzug ins Parlament, im selben Jahr kandidierte „FMB“ - so ihr Namenskürzel, das zum Markenzeichen wurde - für das Amt des Bundespräsidenten. Zuvor wurde Meissner-Blau besonders im Zuge der Proteste gegen das AKW Zwentendorf und Hainburg einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

Meissner-Blau stammte aus einer altösterreichischen Offiziers- und Industriellenfamilie. Geboren am 11. März 1927 in Dresden, führten sie die Schrecken des Hitler-Regimes, ihr eigenes Flüchtlingsschicksal, wachsende Naturzerstörung und Aufrüstung schon früh als Aktivistin und Publizistin in die Friedens- und Umweltbewegung. Neben ihren verschiedenen beruflichen Tätigkeiten in Österreich lebte und arbeitete sie lange Jahre in Frankreich - dort als Befürworterin der Nuklearenergie allerdings noch in der Atomindustrie - und in Afrika.

Unter dem Listennamen der Spitzenkandidatin „Freda Meissner-Blau“ errangen die Grünen dann bei den Nationalratswahlen im Herbst 1986 acht Mandate. Die grünen Neoparlamentarier wählten Meissner-Blau zu ihrer Klubobfrau und so wurde sie die erste weibliche Parlamentsklubchefin.

Die Trauerfeier  an der zahlreiche Trauernde teilnahmen, fand am 11. Jänner 2016, in der Feuerhalle Simmering statt. Neben der Familie waren auch viele weitere Freunde und Weggefährten am Wort.

"Danke liebe, tapfere, verehrte Freda", sagte der sichtlich bewegte Bundespräsident Heinz Fischer. Er erinnerte daran, dass sie im Kreise ihrer Kinder friedlich eingeschlafen sei, und zwar dort, wo sie zu sterben gewünscht habe: Im Haus ihrer Tochter zwischen Marchegg und Stopfenreuth, neben der Au und mit Blick auf die kleinen Karpaten.

Ohne Meissner-Blau - erste Klubobfrau ab 1986 - würde es die Grünen nicht seit 30 Jahren im Parlament geben, unterstrich Europa-Mandatarin Ulrike Lunacek. "Du große Tochter wirst unserem Österreich, Europa, unserer Welt fehlen", meinte sie, ohne die oft harsche Kritik der Gründerin an ihrer Partei auszusparen. "Vielen Dank dafür, dass es dich gegeben hat."

Freda Meissner Blau mit NRP Barbara Prammer©APA/HPfarrhoferZoom
Meissner-Blaus ältester Sohn Ted sprach am offenen Sarg seiner Mutter von ihrem "unermüdlichen, kompromisslosen Einsatz für die Menschen, die Natur, für alles, was lebt". Dies sei Ausdruck ihrer Liebe gewesen. Ihre Kraft und ihren Mut würdigte Sohn Nicolas, die Zuneigung zur Natur und ihren Wissensdrang Tochter Aleksandra.

Mit ihrem Enkel, der selbst Umweltaktivist ist, sprach sie oft über den Klimawandel. Er zitierte die letzten Worte seiner Großmutter zu ihm: „Wir haben die Au gerettet, ihr müsst jetzt die ganze Welt retten.“
 


Freda Meissner-Blaus letzter Wunsch war es, dass jeder, der um sie trauert für sie einen Baum pflanzen solle, daher wurde am Ende der Zeremonie jedem Trauergast ein Säckchen mit Samen geschenkt.